Da ist es wieder! Dieses Verharren im Raum und man kann nichts weiter tun als tief zu stöhnen. Über allem steht natürlich grenzenloses Selbstmitleid, das geradewegs aus der Gesamtsituation herausplumpste. Ein bildschöner Haufen ist das! Aber am meisten ärgert mich, dass ich keine Zweimeterfrau bin, denn die hätte mir den Morgen entscheidend erleichtern können, hier in diesem so großherzig über- und verlassenen Haus, das einer riesigen Tortenbäckerin und einem nicht weniger stattlichen Pfälzer Weinsammler gehört, die beide Deckenregale mögen.
Aber ich will nicht meckern, denn ich muss weder im Stehen pinkeln, noch fehlen Treppen, um in die oberen Stockwerke zu gelangen, sogar der Duschkopf war abnehmbar. Vermutlich steckt ein kleinwüchsiger Architekt dahinter, aber hier ist weit und breit keine Seele. Nicht mal Brot. Und hätte ich nicht gestern noch einen Rotkohl auf meiner Reisetasche gefunden, wär es ganz Essig mit dem Vesper gewesen.
Man findet ja auch nichts in der fremden Küche. Selbst meine eigene gibt mir bislang Rätsel auf, aber dort kann ich es unter Sabotage oder Eigenirritationen verbuchen, hier dagegen ist definitiv einfach alles verlegt. Ich sollte mir abgewöhnen, eine prophezeiende Haltung gegenüber geschlossenen Küchenmöbeln zu haben, denn ach wie groß ist doch die Enttäuschung, wenn in der Brotschublade ein Handbesen liegt, oder im Kühlschrank eine verheulte Maus sitzt.
Schließlich fand sich doch noch ein angebrochenes Päckchen Spaghetti sowie Butter im Gemüsefach, und es fand sich ebenso eine klar empfundene Entskrupelung, was den Weinkeller betraf. Zwanzig Euro und ein 'Ich liebe Dich' aus gekochten Nudeln und Butter auf der Arbeitsplatte dürften eine hinreichende Entschädigung für die beiden Lieben sein!
Wie ich eben feststellte, nächtige ich in einem Zimmer, in dem mit Lego in der Farbe des Teppichs gespielt wird. 15 Euro reichen völlig, denke ich.